Graphic Novel «Windstill» macht Einsamkeit sichtbar
Wie fühlt sich Einsamkeit an, wenn Worte allein nicht ausreichen? Die Graphic Novel «Windstill» von Anne Holmegaard entstand als Bachelorarbeit an der Zürcher Hochschule der Künste und macht Alterseinsamkeit sichtbar. Ein berührendes Projekt, das nicht zuletzt dank der Unterstützung von malreden möglich wurde.
Einsamkeit im Alter bleibt oft unsichtbar. Viele ältere Menschen erleben Tage, an denen Gespräche fehlen, soziale Kontakte seltener werden oder wichtige Bezugspersonen wegfallen. Verwitwung, Pensionierung oder Veränderungen im Wohnumfeld können dazu führen, dass sich Menschen zunehmend isoliert fühlen. Dabei geht Einsamkeit weit über das Alleinsein hinaus. Sie entsteht dann, wenn soziale Beziehungen nicht den eigenen Bedürfnissen und Erwartungen entsprechen.
Der Dialog zwischen den Generationen ist essenziell
Um dieses oft tabuisierte Thema sichtbar zu machen, entstand im Rahmen einer Bachelorarbeit an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) die Graphic Novel «Windstill». Die Studentin Anne Holmegaard entwickelte das Werk im Studiengang Knowledge Visualisation in Zusammenarbeit mit dem Verein Connect. Über diese Kooperation kam auch der Kontakt zu malreden zustande. Für die Entwicklung der Geschichte tauschte sich Anne Holmegaard unter anderem mit Eve Bino, Co-Geschäftsleiterin von malreden, und einer langjährigen Freiwilligen von malreden aus. Die Erfahrungen aus den Gesprächen am Alltagstelefon halfen dabei, die Lebensrealitäten älterer Menschen authentisch abzubilden und der Erzählung zusätzliche Tiefe zu verleihen. «Gerade als junge Künstlerin finde ich den Dialog zwischen den Generationen essenziell. Einsamkeit im Alter ist oft schambehaftet und findet im Verborgenen statt. Mit meiner Arbeit wollte ich hinschauen, wo sonst weggesehen wird und Brücken bauen», so die Studentin. Ein fachliches Nachwort steuerte zudem Dr. Christina Röcke, Präsidentin des Vereins Silbernetz Schweiz und Co Direktorin des Healthy Longevity Center der Universität Zürich, bei.
Der Wind bewegt auch das Stille
«Windstill» begleitet drei Menschen durch ihren Alltag und macht unterschiedliche Facetten von Einsamkeit im Alter erlebbar. Die Verbindung von Text und Illustration eröffnet einen besonderen Zugang zum Thema, und die ruhige Bildsprache lädt dazu ein, hinzuschauen, Verständnis zu entwickeln und über Einsamkeit ins Gespräch zu kommen. «Im Titel steckt die Stille. Sie steht für etwas Leises und Unsichtbares, das die Einsamkeit so treffend beschreibt. Doch der Wind darin erinnert daran, dass sich selbst das Stillste wieder bewegen kann», so die Studentin auf die Frage, wie es zu diesem Titel kam. Die Geschichte bleibt nicht in der Starre stehen, sondern erzählt auch von Hoffnung, Begegnung und neuen Perspektiven. «Jedes Gespräch kann einem Menschen das Gefühl geben, wieder gesehen und gehört zu werden. Genau diese Botschaft transportiert Windstill auf eindrückliche Weise», sagt Eve Bino. Für malreden war die Zusammenarbeit ein wertvoller Beitrag zur Sensibilisierung zum Thema Alterseinsamkeit. Die Graphic Novel zeigt, wie einzigartig der Austausch zwischen Kunst, Wissenschaft und Praxis sein kann. «Es freut uns sehr, dass Windstill das Thema Einsamkeit auf so einfühlsame Weise aufgegriffen hat. Solche Projekte helfen mit, Alterseinsamkeit sichtbar zu machen und das Verständnis dafür in der Gesellschaft zu stärken», schliesst Eve Bino.
malreden dankt Anne Holmegaard herzlich für die inspirierende Zusammenarbeit sowie dem Verein Connect für die Vermittlung und fachliche Begleitung des Projekts. Derzeit sucht die Autorin nach einem Verlag, der das Buch druckt.
